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Von ZEITSCHRIFT „ESNAF“

Das Codexsystem ist eine im Jahre 1963 gemeinschaftlich in jedem Land gegründete Kommission. Eine  Initiative von Welternährungsorganisation (FAO) und  Weltgesundheitsorganisation (WHO), welche auf die Entwicklung und Vereinfachung des Welthandels, und den Schutz der Gesundheit der Konsumenten abzielt.


Codex bedeutet „Nahrungscode“ auf Latein. Es ist eigentlich der Allgemeinbegriff für internationale Nahrungsstandards. Momentan gibt es 170 Länder, die Codex-Mitglieder sind. Obwohl die durch Codex bestimmten Standards rechtlich nicht bindend sind, wird deren Bedeutung immer wichtiger. Wenn es notwendig ist, greift die Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf die Codex-Standards zurück, um die Debatten und Streitigkeiten bezüglich Nahrung und Lebensmittelprodukte endgültig zu entscheiden. Es ist eigentlich eine zwischenstaatliche Organisation.


Seit Monaten wird in Österreich debattiert, ob ähnliche Standards auch für Döner bestimmt werden sollen. Die Händler sind der Meinung, dass solche Döner-Standards auch in dem Zusammenhang eine wichtige Normsetzung sein kann, so dass dadurch die Inhaltstoffe von Dönern auch gewissenhaft einigen Standards entsprechen.


Der Codex bestimmt, wie hoch die Maximalanteile der in den Lebensmitteln verwendeten Zusatzstoffe sein dürfen. Schließlich verwendet man bei Nahrungsmitteln viele Zusatzstoffe etwa für die Färbung oder Aromatisierung. Laut diesem Codex unterliegen nun all diese Zusatzstoffe gewissen Analysen und erst dann kriegen sie eine Genehmigung für den Verbrauch.
Wir haben einige Kebabhändler nach deren Meinung über diese Codex-Bestimmungen gefragt;


Frage: Heute hat der Döner als Fertiggericht keine fixen Standards. Wie würden Sie es beurteilen, wenn ein Döner-Codex in Kraft treten würde?


Baki …… : Gerade verlangen fast alle Fertiggerichte. Es ist natürlich gut, wenn sie einer Qualitäts- und Gesundheitskontrolle unterliegen. Ich bin seit 1977 in diesem Bereich tätig. Früher haben wir unser Döner selber hergestellt. Dann haben wir auch angefangen, fertiges Döner zu kaufen. Nachdem wir aber damit angefangen haben, wurden wir informiert, dass mit dem Inhalt der fertigen Döner chemisch herumgespielt wird. Dann haben wir aufgehört mit Firmen zu arbeiten, denen wir nicht vertrauen können. Wenn der Codex durchgesetzt wird, kann uns Händlern wieder Sicherheit gewährleistet werden.


Aydın IŞIK:  Ich bin der Meinung, dass die Codex-Anwendung zwischen den Herstellern und den Konsumenten vermittelt - sprich uns die Firmeneigentümer schützen wird. Die Interaktion zwischen uns und den Konsumenten auf einer vertrauenswürdigen Basis beruhen. Es wird die Herstellerfirmen dazu bringen, dass sie vertrauenswürdiger und ernsthafter arbeiten. Ich glaube, dass dadurch eine Vertrauensatmosphäre zwischen Hersteller, Betriebseigentümer und Konsument geschafft werden kann.


Hamit KARA: Ich bin der Meinung, dass wir uns nach dessen Anwendung auch ein bisschen entspannen können. Es macht mich traurig zuzugeben, dass manche Herstellerfirmen zum fertigen Döner zusätzlich Wasser gießen, damit sie schwerer wiegen und dadurch mehr profitieren. Das verursacht bei uns Verluste und bei unseren Kunden einen bitteren Geschmack. Daher denke ich, dass eine Codex-Anwendung die Hersteller in diesem Zusammenhang ein bisschen stoppen kann.


Özcan ATMAN: Jeder hat seinen eigenen Geschmack. Das variiert von Hersteller zu Hersteller. Jeder wünscht sich ein vertrauenswürdiges Produkt kaufen zu können und nicht wegen mangelndem Vertrauen dauernd die Firma zu wechseln. Einige Herstellerfirmen gießen dem fertigen Döner zusätzlich noch Wasser, da es an Kontrolle mangelt. Nachdem der Döner in den Verkauf gelangt ist und die Eisteile geschmolzen sind, merkt man, dass 4-5 kg verlorengegangen sind. Während man normalerweise von 20 kg Fleisch 100 Döner machen kann, werden es dadurch nur 70 Stücke und unsere Händler verlieren ziemlich viel. Deswegen ist die Codex-Initiative schon zu begrüßen.


Hamide CECELİ: Ich bin mit der Firma, von der ich meine Produkte kaufe, ziemlich zufrieden. Meine Priorität ist die Zufriedenheit der Kunden. Es ist für mich unmöglich mit irgendeiner Firma, die dieser Zufriedenheit beschädigen könnte, zu arbeiten. Es stimmt, einige Firmen die sich für schlau halten, spielen schon mit dem Döner. Wenn diese Codex-Anwendung wirklich durchgesetzt wird, bin ich der Meinung, dass die Spiele die sie spielen auch aufhören werden. Ich glaube, dass das für uns Händler schon ein positives Ereignis ist. Dann können wir ohne Sorgen Produkte kaufen.


Hakan GÜRBÜZ: Fertiges Döner ist praktischer und braucht keine zusätzliche Arbeit, daher wird es von uns Unternehmern bevorzugt. Obwohl wir gegenüber unseren Herstellerfirmen Vertrauen haben, wissen wir es auch, dass es in der Natur des Menschen liegt, immer wieder Fehler zu machen. Ich denke, dass durch diese Codex-Anwendung sowohl wir, als auch die Herstellerfirmen auf einer stabileren Basis arbeiten können. Es ist auch zufriedenstellend, dass sie kontrolliert werden.


Hakan TAŞKIN: Zuerst einmal möchte ich sagen, dass ein Döner, wenn man auch die Marktumstände mit einbezieht, nicht um den Preis verkauft wird, den er eigentlich verdient hätte. Daher sinken die Gewinnanteile der Unternehmer immer mehr. Was ein durchschnittliches Kebab als Preis verdient, ist meiner Meinung nach etwa 4-4.50 €. Damit wir auch gewinnen können, bedrängen wir die Herstellerfirmen. Der Verkäufer, der den Händler zufriedenstellen will und diese nicht verlieren will, fängt damit an, die Qualität zu reduzieren. Aber momentan spielen sie Spiele, auf die wir alle ziemlich zornig sind. Zu Recht? Natürlich nicht. Daher hoffe ich, dass diese Codex-Anwendung in diesem Zusammenhang ein bisschen nützlich sein kann.

 


Zeitschrift Esnaf